Do your part and go - Text von Inga


Der Mensch ist ein Einzelner. Er kommt allein auf die Welt und stirbt allein. Er kann nicht allein
leben, das ist klar, er kommt in eine Welt, in der bereits viele andere Menschen sind und mit
denen er zurechtkommen und sich arrangieren muss. Das jedoch heißt nicht, sich nur
stillschweigend einzuordnen und anzupassen.
Oft wird vergessen, welche Macht und welchen Einfluss gerade der Einzelne hat bzw. hätte, wenn
er sich das klarmachen und dementsprechend handeln würde. Das soziale Umfeld scheint eine
bedingungslose Einordnung in die bestehenden Verhältnisse zu fordern, z.B. um den Arbeitsplatz
zu erhalten, angesehen und anerkannt zu werden, oft jedoch zu dem Preis, individuelle
Fähigkeiten und Talente, ja das eigene Denken und Entscheiden aufgeben oder verleugnen zu
müssen.
Ist es Trägheit, die viele Menschen dazu verleitet, sich wie die Mehrheit zu verhalten?
Ist es Faulheit, weil man nicht selbst nachdenken möchte und den unbequemen Weg scheut, zu
seiner eigenen Meinung zu stehen und sie anderen gegenüber vertreten zu müssen? Ist es
Gedankenlosigkeit, einfach so weiterzumachen wie zuvor, weil man es kennt, sich nicht
umstellen will, Angst vor dem Neuen, Unbekannten hat und weil es bisher doch auch funktioniert
hat?
Oft entschuldigen wir uns, indem wir darauf verweisen, dass es nichts nutzt, wenn ich als
Einzelner mich richtig verhalte oder meine Gewohnheiten umstelle oder etwas Neues versuche,
wenn alle anderen weitermachen wie bisher. Was bringt ein einzelner Tropfen sauberes Wasser in
einer Kloake? Was ein einzelner Unbewaffneter in einer Räuberbande? Ein einzelner Fußgänger
in der Autokolonne?
Vielleicht anfangs tatsächlich nichts, aber denken wir an die SOS-Kinderdörfer, das Rote Kreuz,
Menschen für Menschen, von Einzelnen begonnen und inzwischen anerkannte Beispiele für
Mitmenschlichkeit, gegenseitige Hilfe und Verantwortungsbewußtsein, Beispiele dafür, dass es
auch anders geht. Wenn ich mich mich dafür entscheide, mir eine bessere Welt zu wünschen und
dafür mein Möglichstes tue, leiste ich meinen Beitrag dazu, ein kleiner Schritt, ein wichtiger
Schritt, unabhängig davon, wie lange der Weg dorthin sein wird.
Ich will mir nicht vorwerfen müssen, dass ich nichts getan habe, nur weil ich mich nicht getraut
habe, mich von der Mehrheit abzuheben und zu meiner Überzeugung zu stehen.
Ich will mir nicht vorwerfen müssen, mich resigniert zurückgezogen zu haben, nur weil mir die
Umstände so aussichtslos erschienen und mein Beitrag so furchtbar klein.
Ich will mir nicht vorwerfen müssen, entgegen meiner Überzeugung geschwiegen und
stillgehalten zu haben, nur weil es mir zu mühsam und sinnlos erschien, meinen Standpunkt zu
verteidigen und dafür zu arbeiten.
Do your part and go
Ich gehe daher los, schaue nicht nach hinten und warte nicht auf die anderen, die noch zögern
oder sich nicht recht trauen oder sich nicht entscheiden können. Überzeugen kann ich nur, wenn
ich selbst losgehe, und zwar unabhängig davon, ob mir jemand folgt oder nicht. Und ich
garantiere, damit werde ich überzeugen. Und wenn ich nur einen Einzelnen damit zum
Nachdenken bringe, wird es vorwärtsgehen.

Text von Inga