Wenn wir wirklich wollen
Text von Peter Doldi
Also, erstens brauchen wir, um erfolgreich in unseren Anliegen wirken zu können, viele, viele andere gleichempfindende und gleichdenkende Menschen. Die gibt es natürlich schon, aber wir müssen sie suchen, dann finden wir sie auch. Die freuen sich über jeden den sie treffen, weil
sie natürlich selbst auch suchen. Manche begegnen uns, als wäre es der unwahrscheinlichste Zufall, aber wir senden, ohne es gewahr zu werden, Signale an unsere Umgebung aus. Menschen, die ihre Antennen auf Empfang gestellt haben, werden von uns angezogen und umgekehrt. Das tolle Gefühl, wenn dann mehrere Gleichgesinnte zusammentreffen, macht den Beteiligten Hoffnung und gibt ihnen große Kraft.
Zum zweiten müssen wir Visionen entwickeln. Visionen, nicht zu verwechseln mit Utopien, sind unabdingbar für jedes Unternehmen. Wir müssen am Ausgangspunkt das anvisieren, was wir erreichen wollen. Dann erst können wir losmarschieren und zwischen hier und dort werden wir
vielleicht auch wieder umplanen müssen, weil sich Situationen gänzlich ändern können. Also, müssen wir lernen flexibel und schnell zu handeln.
Drittens brauchen wir eine ganze Menge Durchhaltvermögen und eine gesunde Portion Humor. Manchmal dürfen es auch Sarkasmus und Ironie sein, wenn man gegen die Betonwände von Vorurteilen und eine „Das haben wir schon immer so gemacht“-Einstellung zu laufen scheint. Wir müssen uns klarmachen, daß alle wichtigen Entdeckungen und Entwicklungen der Menschheit gegen die vorherrschende Meinung und den erbitterten Widerstand zahlloser von Vorurteilen geprägter Menschen stattgefunden haben. Vielleicht adelt es die Ideen ja erst, daß sie anfangs so
skeptisch betrachtet werden. Die heute gängigen Vorurteile kennen wir alle. Sie werden schon in wenigen Jahren oder Jahrzehnten auf der Deponie der festgefahrenen Meinungen und Anachronismen zu finden sein.
Aber momentan verhindern sie schon lange fällige Veränderungen. Hier zum Schmunzeln einige Zitate aus dem Buch ‘Kreativität entdecken’ von Daniel Goleman: „Das Pferd wird bleiben, das Auto ist nur ein Gag - eine Moderescheinung.“ Der Präsident der Michigan Savings Bank, als er Henry Fords Anwalt riet, nicht in die Ford Motor Company zu investieren.
„Flugmaschinen, die schwerer als Luft sind, sind ein Ding der Unmöglichkeit.“ Lord Kelvin 1895
Viertens,
um nicht ewig frustriert vor
unüberwindbar scheinenden Problemen, zementierten
Sachzwängen
und schwerfälligem Bürokratismus verharren zu
müssen,
gibt es noch ein sehr wirkungsvolles Instrument. Vielleicht das
wirkungsvollste überhaupt, die Kreativität. Aber
„Kreativität“, höre ich oft von
vielen Menschen, „habe
ich doch gar nicht“. Falsch! Jeder Mensch besitzt sie. Der
Denkfehler liegt einfach darin, daß Kreativität
sofort mit
Malerei, Musik, Literatur usw. in Verbindung gebracht wird. Wer aber
aus einer Jeans mit durchgewetzten Knien eine kurze Hose schnippelt,
ist bereits kreativ. Ganz wichtig ist auch, daß
Kreativität
am ehesten in einer gelockerten Atmosphäre entsteht. Da darf
auch gelacht und geblödelt werden, weil durch die dabei
entstehende Lockerheit die
Fähigkeit des Gehirns ungewöhnliche Gedanken zu
produzieren
gesteigert wird. Durch die Kreativität kommen wir wieder mit
der
universellen Energie in Verbindung, in der bereits alle
Möglichkeiten vorhanden sind. Da darf und soll es ruhig
fröhlich
zugehen.
Ein amerikanischer Astronom
hat einmal
den Urknall, der mit Radioteleskopen zu empfangen ist, als das
‘Lachen Gottes’ bezeichnet. Es fließt uns
zu. Wahre
Kreativität sucht sich wie das gestaute Wasser eines
Flußes
immer wieder einen Weg um seine Bestimmung zu erreichen. Bloß
nicht gleich aufgeben.
„Die meisten schöpferischen
Menschen, die wir aus der Geschichte kennen, hatten nicht nur ein
Eisen im Feuer, sondern waren gleichzeitig mit vielen anderen Dingen
beschäftigt. Wenn sie auf dem einen Gebiet nicht weiterkamen,
dann ließen sie es eine Weile ruhen und wandten sich einer
anderen Sache zu. Wenn Sie an mehreren Projekten arbeiten, ist die
Wahrscheinlichkeit größer, daß Ihnen
irgendwo der
Durchbruch gelingt . . . es geht immer vorwärts.
Fünftens und das ist ebenso wichtig und rundet unsere gemeinsamen Projekte ab, wir sollten zwischendurch auch mal feiern, daß wir etwas geschafft haben. Auch zusammenzukommen um unsere Ideen darzulegen, dabei etwas voneinander zu lernen und abzugucken, durchaus auch konstruktive Kritik entgegenzunehmen und uns durch lebendigen Erfahrungsaustausch weiterzubilden ist aktiver Lebensgestaltungsprozeß. Wir müssen zudem wieder lernen echte Begeisterungsfähigkeit zu entwickeln, auch für die Einfälle der Anderen und sie bei ihren Projekten unterstützen. Neid und Eifersucht aus Angst und nichtbestätgten Selbstwertgefühlen geboren, werden dann ganz einfach keinen Raum mehr in unserem Denken, Handeln und Fühlen finden. Einander positives Feedback zu geben, bedeutet aufbauend zu wirken um dann wieder gestärkt an die Aufgaben herangehen zu können, denn es gibt unendlich viel für uns alle zu tun.
Henry David Thoureau sagte
einmal:
„Es muß die ursächliche
Kraft der Liebe hinter jeder Anstrengung stecken, die erfolgreich
sein soll.“
Wir müssen nicht alle anstehenden und erkannten Probleme heute oder morgen lösen, aber wir sollten sie in unsere Prioritätenliste aufnehmen, um sie nie mehr aus den Augen zu verlieren, denn dann werden auch wir nicht mehr verloren sein. Wir alle zusammen sind imstande der Gesellschaft neue Impulse und eine neue Hoffnung zu geben, denn . . .
Wenn wir alle es wirklich wollen, werden wir auch in Zukunft immer genügend reines Trinkwasser zur Verfügung haben. Werden unsere Teiche, Bäche und Flüsse wieder gift- und güllefrei und voller Leben sein und das sinnliche Urvergnügen in einem Bach zu waten oder ein Flussbad zu nehmen wird uns Menschen ein großes Stück Lebensfreude zurückgeben.
Wenn wir alle es wirklich wollen, werden wir wieder saubere Luft atmen können und umweltbedingte Atemwegserkrankungen sind dann Vergangenheit. Dann werden unsere Wälder wieder wirkliche Wälder voller Artenvielfalt und Leben und keine kränklichen Holzplantagen mehr sein und werden wir und die späteren Generationen uns wieder an blumenübersäten Wiesen, Fluren und Gebüschen in denen eine artenreiche Tierwelt zuhause ist, erfreuen können.
Wenn wir alle es wirklich wollen, wird uns unser Umland ausreichend mit gesunden und schmackhaften Lebensmitteln versorgen. Wir werden Nahrung haben, deren Wachstums- und Reifeprozess wir ständig vor Augen haben und die nicht über tausende von Kilometern herangekarrt werden müssen und die Erblast einer gigantischen Energie- und Ressourcenverschwendung mit sich tragen und können wir genußvoll essen, was mit Herz und Verstand produziert wird und dauerhaft Arbeitsplätze in unserer Region sichern hilft, ja sogar viele neue entstehen läßt.
Wenn wir es wirklich wollen, werden auch die Tiere wieder als gleichberechtigte Mitgeschöpfe begriffen und ein ihrem Dasein entsprechendes Leben in ursprünglichen Lebensräumen haben. Dann müssen beispielsweise Hühner nicht mehr ein gequältes Dasein auf einer buchseitengroßen Drahtgitterfläche fristen und eingekeilt zwischen -zigtausenden von Leidensgenossen dahinvegetieren, ohne jemals die Sonne gesehen zu haben oder in echter Erde gescharrt zu haben, weil wir uns aus Mitgefühl und Respekt vor der Schöpfung solchen Eiern und solchem Fleisch verweigern werden. Dann brauchen Tiere nicht mehr Fell und Leben lassen, nur weil unsere Eitelkeit und ein phantasieloses Modediktat das so verlangen.
Wenn wir es wirklich wollen, werden wir in unserer Region auf Schritt und Tritt wieder Menschen begegnen, die keine verschlossenen Mienen mehr aufsetzen, weil sie von schlechten Erfahrungen und Mißtrauen geprägt sind. Menschen, die wieder zum Austausch mit dem Nächsten bereit sind und bei denen man sich wohl und gut aufgehoben fühlt. Menschen, die sich nicht durch ständige Angst um ihren bedrohten Arbeitsplatz geistig blockieren und vor Raffsucht seelisch verarmen, sondern aus der Arbeit und Mitgestaltung einer lebendigen, kreativen Gesellschaft wieder Kraft und Freude schöpfen. Menschen, die wieder genug innere Energie, Kreativität und Liebe besitzen um das Leben in all seinen Bereichen überlegt und sinnvoll zu meistern und die ihre Begeisterung an die folgenden Generationen weitergeben können.
Schlußendlich wenn wir alle es wirklich und aus tiefstem Herzen wollen, werden wir wieder das zurück erhalten, was wir schon einmal hier vorgefunden haben: „Gottes Erde zum Wohnen gemacht.“